Samstag, 31 März 2018 16:41

Geheimnisse eines Grafen

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Was ist wohl das Geheimnis dieses Grafen Keyserling? Der Schriftsteller Klaus Modick verriet es während der Lesung nicht. Was ist wohl das Geheimnis dieses Grafen Keyserling? Der Schriftsteller Klaus Modick verriet es während der Lesung nicht. Jung

Mit Klaus Modick liest einer der großen Schriftsteller und Erzähler der Bundesrepublik in Kreienhoop

Bericht aus der Zevener Zeitung vom 31.03.2018 von Bernhard Jung

Er gilt als einer der großen Schriftsteller und Erzähler der Bundesrepublik: Im Haus Kreienhoop in Nartum stellte Klaus Modick jetzt seinen neuen Roman „Keyserlings Geheimnis“ vor. Er beschreibt hier den Werdegang des Grafen Keyserling vom Adeligen zum Bohémien der Schriftstellerei, welcher ein dunkles Geheimnis birgt.

Mitglied im PEN-Club, das war er nie, der Walter Kempowski. Der Verein berühmter Schriftsteller wie Böll und Grass war ihm damals zu linkslastig und davon hatte der ehemalige Insasse des DDR Zuchthauses Bautzen ein für alle Mal genug. Das hätte Kempowski sicherlich nicht davon abgehalten, Klaus Modick, der Mitglied in diesem erlauchten PEN-Zentrum ist, einzuladen. Modick hat in den 70ern Oldenburgs Schulen besucht, es folgte ein Studium auf Lehramt, und er wurde dann als Schriftsteller schnell erfolgreich. Aufenthalte und Stipendien in Rom, Los Angeles, Paris, und Tokyo folgten. Gastprofessor und Lehrbeauftragter war er, mit vielen Preisen und Stipendien ausgezeichnet ist er. In seinem Roman „Sunset“, der mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde, befasst sich Modick mit dem Thema Exil, und hier entsteht dann doch eine Brücke zu Walter Kempowskis Erzählungen.

Seit 2000 ist Modick wieder in Oldenburg zu Hause und dort auch beratendes Mitglied im Kulturausschuss.

„Keyserlings Geheimnis“ besteht aus scheinbar trivialen Geschichten des Grafen, der sich so gar nicht adlig verhält und zudem ein düsteres Geheimnis pflegt. Und wie in einem Kriminalroman der Täter meist erst auf den letzten Seiten genannt wird, bleibt „Keyserlings Geheimnis“ bis zum Schluss geheim und wird auch an diesem Abend nicht offenbart. Man kommt beim Zuhören etwas durcheinander, spricht jetzt dieser Adlige Graf Keyserling oder der Autor Modick. Beide sezieren die trivialen Geschichten mit dem Skalpell der Ironie und machen sie so lesenswert. Da erzählt jemand einen Witz und niemand lacht, ein anderer erzählt den gleichen Joke und der Saal tobt, wer kennt das nicht. „Nicht was, sondern wie man es erzählt“ war ein Motto der Lesung von Klaus Modick.

Darüber kann man sicherlich trefflich streiten. Doch selbst einer Beerdigung kann man so amüsante Aspekte entlocken, und die detaillierte Beschreibung des adligen Alltags ist entlarvend lustig. Für die Zuhörer war der Abend jedenfalls ein Vergnügen.

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