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Samstag, 04 November 2017 16:16

Fleisch kauft sie bei Carstens

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Inka Schradick bietet in ihrem „Dorfladen“ kleine Dinge – das kann ein Windlicht sein, ein Blumentopf, eine mannshohe Lampe oder ein gewichtiger Tannenzapfen. Wenig prominent in einer Seitenstraße gelegen, können die Nartumer Last-Minute-Präsente im Schrank neben dem Eingang finden, wenn der Laden geschlossen ist. Das geht wie Kartoffeln kaufen: Artikel auswählen und Geld in die Spardose fallen lassen. Inka Schradick bietet in ihrem „Dorfladen“ kleine Dinge – das kann ein Windlicht sein, ein Blumentopf, eine mannshohe Lampe oder ein gewichtiger Tannenzapfen. Wenig prominent in einer Seitenstraße gelegen, können die Nartumer Last-Minute-Präsente im Schrank neben dem Eingang finden, wenn der Laden geschlossen ist. Das geht wie Kartoffeln kaufen: Artikel auswählen und Geld in die Spardose fallen lassen. Kratzmann

In einer zum Laden umgebauten Doppelgarage pflegt Inka Schradick mitten in Nartum ein Hobby

Bericht aus der Zevener Zeitung vom 04.11.2017 von Thorsten Kratzmann

Es ist ein halbes Jahrhundert her, da brauchte kein Nartumer das Dorf zu verlassen, um sich mit all dem zu versorgen, was er zum Leben brauchte. Diese Zeiten sind nicht erst vorbei, seit die Bankfiliale schloss. Doch noch hält sich der kleine Supermarkt. Auch die Haarpracht können sich die Nartumer um die Ecke richten lassen. Und es gibt einen Geschenkeladen mit Einrichtungs- und Gartendeko. Ausgerechnet. In einer Seitenstraße. Warum das? Inka Schradick erzählt.

Das Wort Backoffice malt im Kopf dunkle Bilder – Hinterzimmer, kein Tageslicht, die Tür ist geschlossen. Wer dort sitzt, der geht seiner Tätigkeit im Verborgenen nach. Kontakt zu Mitmenschen ist selten. Dort zu arbeiten, mag für Menschen, die die Einsamkeit mögen, ein Traum sein, für solche, die Kontakt bevorzugen, ist es auf Dauer nichts – so wie für Inka Schradick.

Die ehemalige Bankkundenberaterin war nach der Geburt ihrer Kinder als Teilzeitkraft in das Berufsleben zurückgekehrt und in den Verwaltungstrakt „verbannt“ worden. Damit sei sie zusehends unglücklich gewesen. „Mir hat der Kundenkontakt gefehlt“, erzählt Inka Schradick. Dieses Bekenntnis ist der Kernsatz einer eineinhalbstündigen Unterhaltung mit ihr.

Weil sie den Kontakt zu Menschen braucht, hat sie das Backoffice verlassen, hat einen kleinen Laden mit Geschenkartikeln eröffnet, sorgt für perfekt dekorierte Hochzeitsfeiern und richtet Ausstellungen im heimischen Garten aus.

Der knapp zwei Pkw-Garagen große Laden neben dem Wohnhaus in der Nartumer Nordstraße könnte im Dorf bald mit dem Melkhus, dem Frisör und der Gaststätte die letzte Adresse sein, um auf die Schnelle ein paar Euro loszuwerden. Die Eheleute Carstens tragen sich mit der festen Absicht, in Rente zu gehen. Sie wollen Haus und Hof verkaufen. Dann gibt es in Nartum kein Lebensmittelgeschäft mehr.

Geschäftsfrauen ging, ist einem zwölf Jahre zurückliegenden Vorhaben der Vereinsführung des TuS Nartum zu verdanken. Die Sportler wollten im Dezember 2005 einen Adventsmarkt ausrichten. „Dann mach’ ich da auch einen Stand“, lautete die kurzfristig getroffene Entscheidung von Inka Schradick. Sie fuhr nach Zeven, kaufte „teuer ein“ – Pflanztöpfe und Deko, baute mit Regalen ein Zimmer im Freien und bot ihre Ware feil. „Nach eineinhalb Stunden war alles weg“, erzählt sie.

Nach diesem Erfolg folgte – nichts. „Ich habe eineinhalb Jahre überlegt, ob ich einen Laden aufmachen soll.“ Ehemann und Vater waren durchaus mit Skepsis erfüllt. Schließlich wischte sie die Bedenken beiseite und entschied sich, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

„Ich hatte mir vorher genau überlegt, was ich verkaufen möchte und aus alten Obstkisten ein Regal gebaut“, erinnert sich Inka Schradick. Auch an der Namensgebung hat sie lange gefeilt. Die Wahl fiel auf „Kleine Dinge ...“.

Obgleich Vater Günter Röhrs nach wie vor nicht angetan war von der Idee seiner Tochter, half er, versah die Garage mit ausreichend Licht, schraubte unter Omas alten Eichentisch Rollen und schaffte die Regale rein. Im Nu war der Laden fertig. Garagentor auf und hereinspaziert. Das ist jetzt zehn Jahre her.

Zu kaufen gab es Geschenkartikel für Haus und Garten. Bei Messebesuchen hat Inka Schradick Ideen gesammelt und Händler kennengelernt. Dienstags, freitags und sonnabends stand das Geschäft den Kunden halbtags offen. Im Frühjahr und vor Weihnachten lockten jeweils dreitägige Ausstellungen Interessierte in die Nartumer Nordstraße. 200 handgeschriebene Einladungskarten und Auslagen in Schuhgeschäften sorgen für Besucherandrang. Rund 500 Kunden sind es während der Weihnachtsausstellung.

Es ist ein „Mix aus Hobby und Selbstständigkeit“, mit dem Inka Schradick ihren Laden am Leben hält. Denn ein Auskommen findet sie nicht mit dem, was „Kleine Dinge“ in die Kasse spült. Und man sollte den Aufwand für Buchführung und Kalkulation ebenso wenig unterschätzen wie den finanziellen Aufwand für den Wareneinkauf.

Gerade hat sie wieder zwei Paletten mit Ware erhalten. 150 verschiedene Artikel – silberne Amphoren, Hirsche aus Porzellan, mannshohe Lampen aus Stoff und Holz, die sich als Raumteiler eignen, Windlichter aus Glas, Vasen für Haus und Garten. „Man muss mischen, ein Windlicht für 3,50 Euro anbieten und Lampen für 280 Euro“, sagt die Geschäftsfrau.

Und man muss damit rechnen, Fehler zu machen: „Ich habe lange Blumensträuße gebunden – und viele Blumen weggeschmissen, weil nicht genügend Sträuße verkauft wurden. Das habe ich eingestellt“, erzählt Inka Schradick.

Desgleichen das Binden von Adventskränzen und Wintersträußen. „Zu Weihnachten 2012 hab ich 86 bestellte Amaryllissträuße gebunden. Das mach’ ich nie wieder. Als alle Sträuße fertig waren, hab’ ich heulend in der Küche gesessen.“

Obgleich das Jahr 2012 „das beste Jahr“ war, ist die Erinnerung daran geprägt vom Gefühl, dass die Arbeit ohne die Hilfe der Eltern nicht zu bewältigen gewesen wäre. „Die beiden haben mir viel geholfen und auch Rückhalt gegeben.“

Mit Blumen hantiert Inka Schradick seither nur noch, wenn sie Hochzeitspaare als Kunden betreut. „Irgendwann hat mal jemand gefragt, ob ich Gestecke für Hochzeiten mache. Der nächste hat dann nach einem Brautstrauß gefragt. Das hat sich so entwickelt“, erzählt sie. Etwa zehnmal im Jahr schmücken ihre Blumenkreationen Braut, Auto und Festsaal.

Als die Geschäftsfrau 2013 wieder Vollzeit als Angestellte ins Berufsleben einstieg, schränkte sie die Öffnungzeiten des Ladens ein. Fortan gibt es „Kleine Dinge...“ freitagnachmittags und sonnabendvormittags. Das hat sich auf die Kundenzahlen ausgewirkt, berichtet die Inhaberin. An den Wochenenden hat sie mal 20 Kunden und mal fünf. Weil es Inka Schradicks Hobby ist, scheut sie dennoch den Aufwand nicht, fünfmal im Jahr Teile des Sortiments zu wechseln und noch öfter umzudekorieren. Und weil der Laden recht klein ist, bittet sie Kunden auch in ihr Wohnhaus, um die Wirkung von Leuchten oder Vasen zu demonstrieren.

Einen Stundenlohn hat sie noch nie ausgerechnet. Hauptsache es macht Freude und sie muss nicht ins Hinterzimmer.

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