Freitag, 02 Dezember 2016 16:58

Positive Energie prallt auf Granit

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Die Autorin Jenny Erpenbeck, posierend vor dem Büchergang des Walter Kempowski, bekundetete im anschließenden Gespräch mit der Zevener Zeitung ihr Vergnügen, im Hause des Schriftstellers aus ihrem Werk zu lesen. Die Autorin Jenny Erpenbeck, posierend vor dem Büchergang des Walter Kempowski, bekundetete im anschließenden Gespräch mit der Zevener Zeitung ihr Vergnügen, im Hause des Schriftstellers aus ihrem Werk zu lesen. Jasper Eckhof

Jenny Erpenbeck liest auf Einladung der Kempowski-Stiftung im Haus Kreienhoop aus ihrem Roman „Gehen, ging, gegangen“

Bericht aus der Zevener Zeitung vom 2.12.2016 von Jasper Eckhof

Was am Dienstagabend für ein volles Haus Kreienhoop sorgte, war die Lesung der Autorin Jenny Erpenbeck. Sie las aus ihrem 2015 erschienenen Roman „Gehen, ging, gegangen“, in dem sie die Flüchtlingsproblematik der heutigen Zeit literarisch aufarbeitet. Die zahlreichen Gäste hörten genau hin.

Katrin Möller-Funck, die Geschäftsführerin der Kempowski- Stiftung, ergriff das Wort, um die Autorin Jenny Erpenbeck, die bereits vor dem Publikum des restlos gefüllten Spiegelsaals des Hauses Platz genommen hatte, willkommen hieß. Sie sprach über das literarische Debüt der gelernten Buchbinderin, die Novelle „Geschichte vom alten Kind“, der weitere literarische Veröffentlichungen wie Romane, Erzählungen und Theaterstücke folgten.

Nachdem sie das Wort an die 1967 in Ost-Berlin geborene Schriftstellerin übergeben hatte, schlug die ihr im Vorjahr erschienenes Werk „Gehen, ging, gegangen“ auf. Sie erklärte, dass es mehrere Teile vorzulesen gelte, um die Thematik des Buches ideal darzulegen. Der erste Teil begann. Richard, ein pensionierter Professor der Altphilologie und seit einer Weile Witwer, hat Zeit. Er wartet, dass diese vergeht. Eines Tages beginnt sein Interesse für das Protestcamp der afrikanischen Flüchtlinge, die er auf dem Oranienplatz in Berlin beobachten kann, zu wachsen.

Der weitere Teil der Lesung gab Aufschluss über das, was hinter dem Flüchtlingsleben verborgen liegt. Man müsse den Blick schärfen, um nicht nur andersfarbige Menschen zu sehen, die plötzlich ins Land gelangen, sondern Menschen der Welt, die aus Not eine Existenz zurücklassen mussten und nun eine neue aufzubauen bemüht und dabei auf Hilfe angewiesen sind. Dies zeigten auch die Antworten der Autorin auf die Fragen des Selsinger Pastors Manfred Thoden, die er nach der Lesung an sie richtete.

Ihr Werk „Gehen, ging, gegangen“ sei ein Konstrukt aus Biografie, Verwandlung und Identität, das unter der Wahrnehmung der tiefen Lebenserfahrungen der Afrikaner das Hauptproblem offenbare. Die Flüchtige müssten wieder zu sich finden, in einem Zwischenbereich, in dem nichts passiere. Es fehle eine Arbeitserlaubnis, es könne keine Familie gegründet werden und positive Energien der Menschen träfen somit auf Granit.

„Man darf nicht immer denken, dass wir das Level setzen, das zu erreichen ist.“, gab Jenny Erpenbeck zu bedenken, als sie erklärte, dass die flüchtigen Menschen auf eine fremde Welt ausführlichster Bildung und Ordnung stoßen. Unser Blick auf die Welt sei nicht die einzige Form, um auf diese zu schauen und das gelte es zu erkennen, um auch die Afrikaner auf dem Kreuzberger Oranienplatz verstehen zu können.

Auch die Besucher des Abends hatten die Gelegenheit, persönliche Fragen an die Autorin zu richten. Der erfolgreiche Abend wurde mit dem Signieren von Büchern und einem kurzem Wortwechsel zwischen Besuchern und Autorin ausgeleitet.

Gelesen 1039 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 29 Dezember 2016 17:01