Samstag, 23 April 2016 20:24

Einblicke ins Familienleben

Geschrieben von
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Szenische Lesung mit Jens Weisser aus bekannten Büchern von Walter Kempowski begeistert Zuhörer

Bericht aus der Zevener Zeitung vom 23.4.2016 von Heike Peukert

Erneut zog es am Donnerstagabend zahlreiche Fans und Kulturinteressierte ins Haus Kreienhoop, das Wohnhaus des verstorbenen Schriftstellers Walter Kempowski. Aufmerksam lauschte das Publikum der szenischen Lesung aus „Tadellöser und Wolff“ und dem bereits verfilmten Buch „Ein Kapitel für sich“ aus der Feder des Nartumer Autors.

Die meisten Zuhörer wussten, was sie zu erwarten hatten. Die Vorfreude auf den Vortrag des Schauspielers Jens Weisser war förmlich zu spüren. Auch dass der ebenfalls angekündigte Jens Bülow krankheitsbedingt ausgefallen war, trübte die Stimmung keineswegs. Ganz Profi, bestritt Weisser den Abend in gewohnter Manier fesselnd und eloquent.

Es gelang ihm ein weiteres Mal, ein Fenster zu öffnen ins Innere der Protagonisten, den Zuhörer emotional teilhaben zu lassen an deren Gedankenwelt. Die berühmte Klavierstunde aus „Tadellöser und Wolff“, in der die Minuten einfach nicht verrinnen wollen, durfte nicht fehlen. Üben, dick unterstrichen, schreibt dem jungen Walter hier die Klavierlehrerin ins Aufgabenheft.

Die Begabung Kempowskis war bekanntlich eine andere. Sein Bruder Robert indes malt sich in „Ein Kapitel für sich“ aus, was er mit seinem Leben nach der Haft anfangen will. Beschaulicher Zigarrenladen, aufregender Handel mit Afrika oder Leuchtturmwärter, er schwankt von einem Extrem ins andere. Die beiden Brüder öffnen die Tür zu ihrem ganz persönlichen Erleben.

Dabei wird auch das Private in der Familie nicht ausgespart. Die Rückkehr des Vaters beispielsweise, dem es schwer fällt, das Gebaren des Offiziers abzulegen. Manche Szene barg eine Situationskomik, die das Publikum zum Lachen brachte. Für die Zuhörer hätte der unterhaltsame Abend länger dauern können. So wunderte es nicht, dass eine Zuschauerin gar eine Zugabe forderte. „Kriegen wir noch was zu hören?“, rief sie in den Saal, als just die letzten Worte der Lesung verklungen waren.

Der Tostedter Jens Weisser spielte bereits in dem Film „Ein Kapitel für sich“ unter der Regie von Eberhard Fechner Kempowskis Bruder Robert. Am Altonaer Theater in Hamburg verkörperte er den Vater Walter Kempowskis in dem Stück „Tadellöser und Wolff“. Seit dem 50. Geburtstag Walter Kempowskis ist er mit der Familie vertraut.

Gelesen 1823 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 28 April 2016 20:28