Samstag, 07 Oktober 2017 16:18

Ganz locker und entspannt

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Im Interview mit Radio-Bremen-Moderatorin Christine Gorny-Hansen verriet Gerhard Henschel einiges aus seiner Schriftsteller-Werkstatt. Im Interview mit Radio-Bremen-Moderatorin Christine Gorny-Hansen verriet Gerhard Henschel einiges aus seiner Schriftsteller-Werkstatt. Bernhard Jung

Schriftsteller Gerhard Henschel amüsiert das Publikum in Nartum mit komischer Lesung

Bericht aus der Zevener Zeitung vom 7.10.2017 von Bernhard Jung

Zwei Stunden durchatmen, dann ging es weiter. Im Anschluss an die Marathon-Gedenkveranstaltung zum 10. Todestag von Walter Kempowski (siehe Bericht auf Seite 9) stellte Gerhard Henschel seinen „Arbeiterroman“ vor. Die Lesung fand in den Räumen der Kempowski- Stiftung Haus Kreienhoop statt.

Moderiert wurde sie von Christine Gorny-Hansen von Radio Bremen, die den Schriftsteller auch interviewte. Gerhard Henschel schreibt vor allem biografisch, das heißt irgendwie aus seinem Leben, so wie es war oder gewesen sein könnte. Henschel wurde 1962 geboren und ist dem Hause Kempowski seit vielen Jahren verbunden. Mit Walter Kempowski pflegte er einen intensiven Meinungsaustausch und legte ihm, dem „Meister“ aus Nartum, des Öfteren seine Manuskripte vor. Henschel schreibt ähnlich wie Kempowski Geschichten aus dem Alltagsleben, und das in große Detailtreue.

Auch wenn er sich vom Nartumer Schriftsteller hat inspirieren lassen, so verfügt er doch über einen ganz eigenen Stil. Henschel war einmal Redakteur des bekannten Satiremagazins „Titanic“, und das spürt man. Ironie bis hin zum Sarkasmus, Frechheit und eine sehr ungezwungenere Wortwahl ziehen sich wie ein manchmal allzu bunter Faden durch seine Geschichten. Zuweilen „rotzfrech“ lässt er in den Romanen seine Hauptfigur Martin Schlosser von sich und dem Lebensalltag erzählen. Studienabbruch, Liebes-Aus, Kneipengespräche, Speditionsjob und Zukunftsphantasien bestimmen das Leben dieser Romanfigur. Jever und Oldenburg sind die Stätten seines Wirkens. Eigentlich wollte er nur mal über seine Kindheit schreiben, dann waren schon dreihundert Seiten geschrieben, und er war immer noch in der zehnten Klasse. Aber wie sollte es weitergehen? Sein Verlag war da jedoch recht entspannt und gab ihm die Freiheit, weiter zu schreiben. Und so ging es dann weiter, auf nunmehr 3500 Seiten in sieben Bänden der so genannten „Martin-Schlosser- Chronik“. Der siebte Band trägt den Titel „Arbeiterroman“.

Henschel zeigte sich in Nartum etwa so, wie er schreibt, nämlich locker, frech und entspannt. Die Technikprobleme des Aufnahmeteams von Radio Bremen überbrückte er mit Zitaten aus seinem Buch „Zungenbrecher“. Und die hatten es in sich, besonders, wenn er sie zudem in englischer Sprache vorträgt. Dann musste er schon mal eine Pause einlegen, damit die lachenden Zuhörer wieder Luft holen konnten. Aber nur kurz, dann ging es weiter. Und als er aus alten Polizeiberichten zitierte, tobte der Saal.

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