Dienstag, 09 Juni 2020 10:22

Rosen für bedeutenden Dichter

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Rosen für Walter Kempowski: Anna-Luise Mauksch (von links), ihr Mann Joachim Mauksch und Kirsten Hering, langjährige Mitarbeiterin des Schriftstellers Rosen für Walter Kempowski: Anna-Luise Mauksch (von links), ihr Mann Joachim Mauksch und Kirsten Hering, langjährige Mitarbeiterin des Schriftstellers Bonath

Artikel aus der ZZ vom 9.Juni 2020

Stilles Gedenken am Sonnabend am Grab von Walter Kempowski, einer der bedeutendsten deutschenSchriftsteller der Nachkriegszeit: Wie in jedem Jahr veranstaltete der Verein „Literaturlandschaften“ mit Sitz in Nordhorn seinedeutschlandweite Aktion „Eine Rose für die Dichter“.

Kempowski, in Rostock als SohnKempowski, in Rostock als Sohneines Reeders geboren, war am 5.Oktober 2007 im Alter von 78Jahren im Rotenburger Krankenhausan einem Krebsleiden gestorben.Zwei, die den Dichterüber viele Jahre hinweg persönlichsehr gut kannten und seinaus 40 Büchern bestehendes literarischesWerk mit dem Hauptwerk„Das Echolot“ schätzen,waren am vergangenen Wochenendewie in jedem Jahr auf denkleinen Friedhof am Rande Nartumsgekommen, um als Mitgliederdes Vereins Rosen an KempowskisGrab niederzulegen: dasRotenburger Ehepaar Anna-LuiseMauksch (90), ehemalige LeitendeKrankenschwester des RotenburgerDiako, und ihr Mann JoachimMauksch (91), pensionierterDiako-Geschäftsführer.

Bei dem Gedenken am vergangenenWochenende war auch Kirsten Hering aus Lilienthal(Kreis Osterholz) anwesend. Hering,die als Vertreterin der Kempowski-Stiftung gekommen war,war von 1993 bis zu Walter Kempowskis Tod Mitarbeiterin des Schriftstellers. Zu ihren Aufgaben gehörte die Pflege des umfangreichen Archivs von Kempowski und seiner großen Bibliothek. Legendär war der Sammeltrieb des Schriftstellers: Unmengen von Büchern, Zeitungsausschnitte,Urkunden, Dokumente, viele Tausend Fotos, die Kempowskiim „Haus Kreienhoop“ hortete, um sie in seine Werke einfließen zu lassen.

Anna-Luises Bekanntschaft mit Walter Kempowski geht auf die 50er Jahre zurück, als Kempowskiin Göttingen Pädagogik studierte und dabei auch seine spätere Frau Hildegard Janssen kennenlernte,die ebenfalls auf dem Weg zum Lehrerberuf war.

Hildegard Janssen war die Tochter von Pastor Janssen, Vorsteher des Rotenburger Diakonissen-Mutterhauses. Die beiden jungen Frauen Hildegard und Anna-Luise waren befreundet und besuchten sich in Rotenburg gegenseitig. Anna-Luise Mauksch erinnert sich: „Ich war dabei, als Hildegard ihren Eltern Walter Kempowski, ihren späteren Mann, vorstellte. Er wurde herzlich von der Familie Janssen aufgenommen.“

Seine erste Stelle als Lehrer bekam Walter Kempowski 1960 in Breddorf. Er wurde später nach Nartum und Zeven an die dortigen Grundschulen versetzt. Im Vordergrund stand seine Begeisterung für den Lehrerberuf, geprägt von sehr viel Enthusiasmus und Empathie für „seine“ Schülerinnen und Schüler.

Als die kleinen Schulen aufgelöst wurden, wandte sich Kempowski ganz seiner schriftstellerischen Arbeit und der Aufarbeitung der deutschen Nachkriegsgeschichte zu.

Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler bei der Eröffnung einer Ausstellung zu EhrenKempowskis in der Berliner Akademieder Künste: „Er hat wie kein anderer das Volk selbst zum Sprechen gebracht.“

An Kempowskis Seite ruht auf dem Nartumer Friedhof seine Frau Hildegard. Sie starb am 12. August vergangenen Jahres. (bn)

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