Von Frauke Siebels

Die Polkappen schmelzen, der Klimawandel ist kaum mehr zu stoppen. Obwohl das kleine niedersächsische Dorf Nartum nicht direkt an der Küste liegt, wo es beim Anstieg der Meere als erstes zu Überschwemmungen und Flutungen kommen wird, haben die Einwohner in weiser Voraussicht die Initiative ergriffen: Nartum glänzt als Hafendorf.

Hafen: Ein natürlicher oder als Hafenanlage angelegter Uferbereich für die Schifffahrt, der meist durch ein System von Hafenbecken, Anlegestellen, Kais, Hafenmauern und Molen gebildet wird. So steht es im Lexikon.

Kein Wasser in Sicht

Wer sich einen Hafen vorstellt, denkt vielleicht an Hafengeräusche wie kreischende Möwen und dröhnende Schiffshörner, an Wind im Gesicht und den Geruch von Salz, Tang und Fisch.

Gute 100 Kilometer von der Nordseeküste entfernt liegt das kleine niedersächsische Dorf Nartum. Dort einen Wegweiser „Zum Hafen“ zu entdecken, überrascht. Tatsächlich: In Nartum gibt es einen Hafen. Mit einem Schiff, einem kleinem Leuchtturm, Kai und Mole.

Schuld war nur der Wein

Ob dieser Platz am Rande eines Maisfeldes jedoch ein Hafen ist, bleibt zu klären. Denn Wasser ist weit und breit nicht zu sehen. Warum trotzdem ein Hafenverein gegründet wurde? Darum ranken sich diverse Legenden. So wird vermutet, dass Cola-Korn im Spiel gewesen sein soll.

Mit Informationen aus erster Hand kann Bürgermeister Lars Rosebrock aufwarten: „Ja, ich muss gestehen, ich war Mitinitiator von diesem Hafenverein. Ich habe damals mal bei einer Busrundfahrt bei dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“gesagt, dass wir soweit in die Zukunft planen, dass hier schon ein Hafen entstehen soll.“

Und wie haben die Nartumerinnen und Nartumer auf die Gründung des Hafenvereins reagiert? „Meine Enkelin hat gesagt, die Nartumer haben alle einen an der Klatsche. Ganz Unrecht hat sie nicht.“

Ein Hafen als Vorsorge

Aber nicht nur die Jugend vor Ort ist der Meinung: Das war eine gute Idee. Dieser Hafen ist etwas ganz Besonderes. Und doch gibt es bei allem Witz auch einen ernsten Hintergrund. Den kennt Hafenmeister Hans Dieter Stemmann:

Die Pole schmelzen, das Wasser kommt. Früher oder später ist es da, und dann sind wir auf jeden Fall vorbereitet.

Ähnlich erläutert es Frank Jagels, der Logbuchführer des Hafenvereins: „Wir weisen mit unserem Verein definitiv auf den Klimawandel hin. Wir bereiten uns hier intensiv vor. Wir hoffen natürlich,  dass dieser Hafen immer nur ein Mahnmal bleibt, aber wir sind auf das Schlimmste vorbereitet.“

Ein Dorf wächst zusammen

Bürgermeister Rosebrock verspricht sich weitere Vorteile vom Nartumer Hafen, obwohl er dutzende Kilometer vom Meer entfernt ist. Das sei für Nartum eine Touristenattraktion, und im damals gegründeten Verein engagieren sich viele Einheimische. Nartum wächst zusammen, das ist die einheitliche Meinung.

Nartum und sein „Hafen“: Einige entscheidende Objekte sind vorhanden; Vorbereitungen für den tatsächlichen Betrieb sind auf dem besten Wege. Und ein wenig Wasser ist auch in der Nähe. Aber nur in Form eines Fischteichs.

Und für alle, denen sich Sinn und Zweck des Hafenvereins noch immer nicht so richtig erschlossen haben, hier die Worte eines alteingesessenen Nartumers: „Ach, ein bisschen Jux muss man ja auch haben.“