Samstag, 06 März 2021 11:02

Die erste Fußballheldin der Region

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Bericht aus der Zevener Zeitung vom 3.März 2021 von Manfred Krause

Der TuS Nartum ist für Janne Rosebrock eine Herzensangelegenheit. Die 25-jährige Fußballerin bringt sich schon seit vielen Jahren inihrem Heimatverein ein, feierte als Mädchentrainerin Erfolge, zählt bei den Bezirksligadamen zu den Leistungsträgerinnen und istzudem im Vorstand aktiv. Der NFV-Kreis Rotenburg würdigte ihr großes Engagement 2018 mit dem Ehrenamtspreis. Die Nartumerin istdie erste Frau in der Region, die als DFB-Fußballheldin ausgezeichnet wurde.

„Janne hat das Gen ihrer Eltern Corinna und Lars in sich. Die ist – wie ihre ganze Familie – verrückt nach Sport und Fußball. Die Wahl zurFußballheldin fi el klar und eindeutig aus“, sagt Uwe Schradick, der 2018 den Preis auf dem TuS-Sportlerball überreichte. Der NFV-Kreisvorsitzende und Ehrenamtsbeauftragte unterstützte die 25-Jährige lange selbst als Betreuer bei der Nachwuchsarbeit.

„Die Aufgabe war für sie zunächst Neuland, doch die Kids waren immer begeistert vom Training“, lobt Schradick. Damit begann fürJanne Rosebrock neben dem eigenen Fußball eine zweite Karriere. „Ich ging noch zum Konfus, als Uwe mich animierte, die E-Juniorinnen zu übernehmen“, erzählt die heute 25-Jährige, die seinerzeit zur Unterstützung drei Freundinnen gewinnen konnte.

Ihr Engagement wurde zur Erfolgsgeschichte. „Ich habe die Mannschaft durchgängig bis zur B-Jugend betreut. Davon profi tieren wirbei den Damen immer noch, konnten sogar eine Reserve in den Spielbetrieb schicken. Ich spiele gemeinsam mit Talenten wie ChristinaRuschmeyer oder Nele Schradick, die ich lange trainiert habe“, sagt Rosebrock.

Die eigenen Fußballschuhe schnürte sie bereits mit sechs Jahren, spielte in einer gemischten Mannschaft der JSG Elsli, die vomNartumer Volker Baske trainiert wurde. Später wechselte sie zu den D-Mädchen des TuS Nartum und durfte nun endlich off ensiveragieren. Trainerin Claudia Kohlmann sorgte dabei für den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung. „Janne war sehr begabt und hatteimmer Bock auf Fußball. Sie war bissig, hatte ein gutes Durchsetzungsvermögen und wusste auch spielerisch zu gefallen“, soKohlmann.

Nach dem Ende ihrer B-Juniorinnenzeit brach für Janne Rosebrock eine neue Ära bei demDamen der SG Nartum/Horstedt an. Doch bevor die Angreiferin die gegnerischenAbwehrreihen richtig aufmischen konnte, kam erst mal eine Vollbremsung in Form einesKreuzbandrisses. „Ich war bereits raus, bevor meine Damenkarriere richtig begonnenhatte“, sagt Janne Rosebrock.

Die Operation verlief nicht gut und sie fi el fast drei Jahre aus. „Ich habe irgendwann ans Aufhören gedacht. Dann machte ein zweiterEingriff mir Hoff nung, es noch einmal zu versuchen.“

Ihr Comeback feierte sie mit 20 Jahren, hatte in Stephan „Harry“ Hartwig einen Trainer, der sie langsam mit viel Einfühlungsvermögenaufbaute. „Ich erhielt zunächst kurze Spielzeiten von 10 oder 15 Minuten. Das gab mir Sicherheit. Die Trainingsarbeit unter Harry hatbei uns allen nochmal einen Schub in technischer und taktischer Hinsicht gebracht. Er legte auch viel Wert darauf, dass ich mich imKopfballspiel verbesserte. Wir waren körperlich mega fi t, mussten viel rennen. Doch das war der Schlüssel für den Aufstieg in dieLandesliga 2019“, so Janne Rosebrock.

Und auch ihr einstiger Coach weiß zu schätzen, was er während seiner SG-Dienstzeit an seiner „Vorzeigespielerin“ hatte. „Janne stecktwahnsinnig viel Herzblut in den Verein und ins Team. Ich glaube, das ist der Mannschaft gar nicht so bewusst. Es war schön zu sehen,dass sie nach ihrer sportlichen Rückkehr am ersten Tag wieder ein Teil des Teams war. Sie ist vielseitig einsetzbar, hat eine guteSchusstechnik und eine hohe Spielintelligenz, das macht sie enorm wertvoll. Außerdem kennt sie jeden in Nartum und hat mich invielen administrativen Dingen unterstützt. Sie war für mich der wichtigste Ansprechpartner“, so Stephan Hartwig.

In die gleiche Kerbe schlägt Lisa Itzek, Torfrau der SG-Reserve und enge Vertraute. „Janne und ich kennen uns seit einer Ewigkeit, sindgute Freundinnen. Wir haben zusammen das Amt der Fußball-Obfrau übernommen. Dass sie das Training unserer Zweitenübernommen hat, ist super angekommen und hat für richtigen Schwung gesorgt. Es ist schon beeindruckend, wie sehr sie sich in denVerein einbringt. Was ich besonders an ihr schätze, ist ihre Objektivität und Neutralität. Das ist im Frauenfußball nicht die Regel“, soItzek.

So war es für die 26-jährige Torfrau ein Herzenswunsch, ihre langjährige Weggefährten als Fußball-Heldin vorzuschlagen. „Ich habe dieBewerbung eingereicht und die wurde positiv beschieden. Wir benutzen ein gemeinsames TuS-Postfach, da musste ich schonaufpassen, dass die Sache geheim blieb.“

Die Auszeichnung wurde zum Volltreff er. „Ich bin nicht der Typ, der unbedingt im Mittelpunkt stehen muss und erwarte nicht viel fürdas, was ich leiste. Doch die Ehrung war schon eine große Anerkennung“, sagt Janne Rosebrock, die sich im Mai 2019 per Bus zu einerfünftägigen Bildungsreise auf den Weg nach Barcelona machte. „Das Programm war cool,. Wir haben unter anderem Tagesausfl ügegemacht, unterschiedliche Trainingseinheiten erlebt und interessante Vorträge gehört. Trainer Manuel Baum und Schiedsrichter KnutKircher stellten sich in einer Podiumsdiskussion unseren Fragen“, so Janne Rosebrock, die zudem eine Einladung zu einemBundesligaspiel des VfL Wolfsburg mit Hotelübernachtung erhielt.

„Ich war sehr glücklich darüber, dass Janne nach ihrer schweren Verletzung wieder zurückgekehrt ist. Sie zählt zu den Leuten, diehinter dem Verein stehen, sich unglaublich engagieren und total loyal sind. Die hat so viele Ideen, reißt alle mit“, so Claudia Kohlmann,die gerne an Unternehmungen der Kickerinnen, wie zum Beispiel der von Rosebrock initiierten „Pizza-Tour“ teilnimmt. „Die ist immerim September und wir machen statt einer Kohl- eine Pizzatour. Das fängt mit einem Spaziergang von Winkeldorf nach Nartum an. Dortessen wir mit gut 35 Spielerinnen und lassen uns dann zur Beach-Party nach Steinfeld fahren. Die verschiedenen Unternehmungensorgen für einen großen Zusammenhalt. Das schätze ich sehr und es motiviert mich stets aufs Neue. Wir verstehen uns zudem supermit den Fußballern, feierten 2018 gemeinsam unsere Meisterschaften.“

Dass die laufende Saison unterbrochen wurde, fi ndet Janne Rosebrock sehr schade, es ist allerdings für sie auch kein Weltuntergang.„Ich denke, dass andere Sachen wie zum Beispiel Schulen, Kindertagesstätten oder Krankenhäuser eine deutlich höhere Prioritäthaben. Da gehört der Fußball für mich in der Rangliste weit nach unten. Es wäre schön, wenn sich Kinder wieder auf dem Sportlatztreff en und den Ball hin und her passen dürften.“

Die Stürmerin könnte aktuell ihr Hobby eh‘ nicht ausüben, denn Nachwuchs hat sich angesagt. „Ja, der FSV erhält Nachwuchs und eswird ein Junge“, so Janne Rosebrock, die mit ihrem Lebenspartner Jannes Otten in Nartum wohnt und sich nun sehr auf ihre kleineFamilie freut.

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